8.6.19

Und ein weiterer wilder Mix von "Pinots weit ... naja, oder auch nicht ganz so weit ... weg"

 
Nach mittlerweile gewohnt langwierig anhaltender Schreibabstinez, soll es heute meiner Zunge mal wieder gestattet sein, den einen oder anderen Ausflug, in mehr oder weniger weite Pinot Länder, zu unternehmen. Dieses mal geht es als erstes nach Portugal – naja, wahrscheinlich nicht so sehr für seine wenigen, aber dennoch erwähnenswerten, Pinots berühmt! Danach nach Italien – und das weder nach Südtirol noch ins Trentino. Dann Polen – Jaa, welches sicherlich noch viel weniger durch international pinotisierende Berühmtheit glänzt. Weiter ab nach Argentinien – auch nicht so ganz das Pinot'dorado, wenn ich das mal so schreiben darf! Dann gehn Norden steuernd nach Oregon – immerhin mal was eher Herkömmliches und nicht ganz so Pinotxotisches! Und zu guter Letzt geht es zu einer mehrheitlich pinotträchtigen Unbekannten - ins nachbarschaftliche Luxemburg!


Cortes de Cima Pinot Noir 2014, Alentejano



Beginnen möchte ich mit Portugal! Wie schon erwähnt sicherlich kein sonderlich pinot-zentriertes Weinbauland. So langsam dürfte ich von jedem Pinot Portugals ein oder zwei Schluck probiert haben. Naja, fast möchte ich annehmen. Wie dem auch sei! Um dem Ganzen die außergewöhnliche Krone aufzusetzen geht es auch noch in die Region Alentejano. Einem der berüchtigten Wein-Glutöfen Portugals! Doch nicht ganz! In Alentejano gibt es überschaubar viele Weingärten, die weit ab vom Kerngebiet an der kühlenden Atlantikküste angelegt wurden. Seit 2008 kultiviert das nicht ganz unbekannte Weingut Cortes de Cima in der Nähe von Vila Nova de Milfontes Rebsorten, die im heißen Kerngebiet von Alentejano wohl kaum eine Chance hätten. Darunter auch mein erster Pinot Noir!


Farblich zeigte sich der Cortes de Cima Pinot 2014 sehr mustergültig. Enorm transparent und sehr dem optimalen Rubinrot entgegen strebend. Den etwas ungewöhnlich breit angelegten Wasserrand sollte ich wohl nicht unterschlagen. In der Nase zeigte er viel Rauch, der sich mit der Zeit glücklicherweise ins nasale Gesamtbild ein- und unterordnete. Weiter zeigten sich reichlich saftige Schwarzkirschen, etwas Zartbitterschokolade, Zimt und interessanterweise auch Etwas, dass mich an Rosenwasser erinnerte - glücklicherweise aber nicht all zu kräftig und schon gar nicht kitschig-penetrant wie auf so mancher Oma-Toilette. Nun gut, weiter im Text. Darüber hinaus zeigte sich auch viel Jod - was wiederum aufgrund seiner Herkunft nicht sonderlich überraschend war, etwas Minze und im Falle Pinots eine überraschende Prägung von schwarzer Oliven. Am Gaumen zeigten sich ähnliche Attribute, wobei hier das Jod mit reichlich Meersalz ergänzt wurde und noch wesentlich kraftvoller auftrat. Auch die letztgenannten Oliven waren am Gaumen etwas intensiver. Sonst zeigten sich ein stürmischer Hauch an recht staubiger Erde und nach einigen Stunden Aromen, die an Orangenschale und hie und da die eine oder andere Pflaume erinnerten. Von seiner Struktur her, zeigte sich der Cortes de Cima angenehm feingliedrig und irgendwie auch ein wenig leichtfüßig, sowie beschwingt. Warum "irgendwie"? Nun ja. Diese Aussagen mögen auch ein wenig durch perspektivisches Kopfkino bedingt sein, denn das momentan vorhandene zünftig-scharffkantige Tannin, lässt sicherlich nicht geradewegs auf solche luftig-galanten Eigenschaften schließen. Insgesamt ein durchaus anständiger**** Pinot Noir, den man sogar mit gewisser Phantasiefähigkeit als ein solchen erschmecken könnte. 


Tenuta Mazzolino Pinot Nero 2013, Oltrepò Pavese




Aus der Lombardei konnte ich einen jungen Klassiker zuletzt trinken. Die Tenuta Mazzolino aus Oltrepò Pavese ist zwar wesentlich bekannter für ihre Spumante – was ja nicht weiter verwunderlich ist – und ihren holzwürzigen-kräftigen Chardonnay. Der Pinot Nero 2013 zeigte Reflexe von Rubin, im Kern doch noch etwas dunkler und am Rand schon ganz leicht ins ziegelfarbenengehende verfärbend. Im Vergleich zu allen anderen Pinots war er wohl der dunkelste und schleierhafteste Vertreter. In der Nase präsentierte er sich sehr duftig und expressiv. Granatapfel, Pilze, getrocknetes Laub, lehmige Erde in Hülle und Fülle, Jod, Eisen und leicht dörrig-rosinige Noten standen im Vordergrund. Am ersten Tag waren auch die Röstaromen vom 30% neuen französischen Holz recht deutlich zu erriechen. Am zweiten Tag konnte sich die Substanz des Weines durchsetzen und das Holz dort hin verweisen, wo es hingehört. In den Hintergrund! Am Gaumen zeigten sich neben dem Granatapfel Aromen von Hagebutte und reifen Himbeeren. Dazu die schon erwähnten Pilze, das Laub, gar nicht so wenig Kaffee, Thymian lastige Würze, etwas Blut, Jod und Eisen und ebenfalls recht viel Röstaromen. Dass erwartbar kräftige und recht krude Tannin gepaart mit einer für 2013 typisch zünftigen Säure konnte so erwartet werden. Am zweiten Tag war alles, wie auch das Holz, nicht mehr so wild und ungestüm, wie direkt nach dem Öffnen. Seine kräftige Erdigkeit präsentierte sich am Gaumen weniger schlammig und von Anbeginn dem Gesamtbild eher unterordnend. Insgesamt ein rustikal-robuster, erdiger und kraftvoller Rough-Neck Pinot Noir, der mich zeitweise an ein Morey-St-Denis Village aus einem warmen Jahrgang erinnerte. Ich würde ihm noch einige Jahre Flaschenruhe geben. Momentan, trotz aller zupackenden Rustikalität, ein sicherlich durchweg anständiger**** Pinot Nero aus der südlichen von Herbstgefühlen geprägten Lombardei … doch angemerkt sei, für Freunde von sehr fruchtlastigen und samtigen Pinots welche zudemauch noch reich an ärmlicher Struktur sind, wird ein solcher Pinot nie wirklich viel Freude entfachen.


Adoria Vineyards Pinot Noir 2016, Zachowice



Vorab erwähnt sollte ich wohl zugeben, dass dieser Adoria Vineyards Pinot Noir 2016 aus Zachowice - die wohl traditionsreichste Weinbauregion Polens, erst mein zweiter polnischer Pinot überhaupt war. Der erste war halt eben der erste, dieser sollte - nein muss - keine weitere öffentliche Erwähnung finden! So überaus begeisternd war dieser! Solche eine verdrießliche Anspielung muss ich bei meinem zweiten polnischen Pinot, also dem heutigen, nicht bemühen. Der Adoria Pinot Noir 2016 zeigte sich in meinem Glas sehr transparent, mit ganz leichtem Schleier und einer Tönung die mehr ins Granat als ins Rubin ging. Die Nase wirkte auf mich zunächst sehr vom Rauch geprägt. Darüber hinaus zeigten sich sehr kräftige Düfte die mich an rote Johannisbeeren, leicht diffus wirkende kühle grüne Würze, Shitake-Pilze und leider ein wenig zu viel Karamell erinnerten. Nach einigen Stunden intergrierte sich das Karamell ein wenig. Dazu gesellten sich auch auch schüchtern wirkendes feuchtes Moos und eine gewisse Salzigkeit (ja ja, ich weiß: Salz riecht nicht ... was soll's). Am Gaumen fiel mir zu aller erst die überaus intensive und heftigst-knackige Säure auf. Nichts für schwache Mägen! Mir hat sie sehr gefallen, aber auch ein klein wenig zu Schaffen gemacht. Sonst zeigten sich zur Nase ziemlich deckungsgleiche Attribute. Die roten Johannisbeeren waren kühl und präzise. Die Würze ebenfalls ein wenig diffus. Das Karamell zeigte sich glücklicherweise eindeutig schwächer. Dafür schlich sich ein mir etwas zu aufgesetzter Vanilleton ins Gesamtbild. Matschige Erdigkeit und ein kräftiges Stückchen Eisen trugen ihr rustikales Bißchen zum Ganzen bei. Insgesamt wirkte der polnische Pinot am Gaumen wesentlich kommunikationsfreudiger als es die Nase zunächst ankündigte. Gefallen hat er mir, wenn auch weniger aufgrund seiner unterentwickelten Charmeur-Qualitäten oder seiner eher bäuerlichen Eleganz. Er präsentierte sich eben als ein kerniges und rustikales Mitglied der Pinot Familie. Ohne weiteres ein sicherlich noch anständiges**** Pinoterlebnis.


Bodegas Chacra Sin Azufre Pinot Noir 2016, Patagonia




Wenn die Rede von Pinot Noir aus Patagonien ist, kommt man an Bodegas Chacra der Familie Incisa della Rocchetta kaum vorbei. Seit Jahren produzieren sie wohl die bemerkenswertesten Pinots aus der Region Neuquén im nördlichen Teil Patagoniens. Der Sin Azufre - der Name ist hier Programm, also kein Schwefel - ist das jüngste Mitglied der Pinot Familie von Chacra. Für argentinische Pinots, auch die anderen Gewächse von Chacra, kommt der Sin Azufre 2016 enorm transparent und orange-rubinrot daher. In der Nase zeigten sich energiegeladene Erdbeeren. Auch sehr würzige von vermeintlichem Feuerstein - die Reben sind auf eisenhaltigen Lehmböden kultiviert worden, geprägte Attribute stechen hervor. Im würzigen Zentrum tummeln sich Aromen die mich an Melisse und schüchterne Minze erinnern. Neigungen die an das Erbrochene von Erzgebiergsziegen erinnern - eine bei mir nicht ganz so selten vorkommende Assoziation bei Natural Wines - schucht man bei dem Sin Azufre glücklicherweise vergebens! Diese nicht vorhandene Wahrnehmung kommt ebenfalls am Gaumen zum tragen. Rein aromatisch ist die Erdigkeit etwas ausgeprägter und die eine oder andere geröstete Kaffeebohne lässt sich auch entdecken. Der restliche Eindruck ist sonst ziemlich deckungsgleich mit der Nase. Die kühle Charakteristik, beträchtliche Spannung und seine Leichtigkeit, die der Natural-Argentinier ausstrahlt, sind überzeugend und animierend. Die Säure zwar auch, doch ist sie momentan noch etwas sehr nervös und jugendlich widerborstig. Ein wenig sollte sich das in den nächsten Jahren noch legen. Für mich gehört der Sin Azufre zu den spannenderen und erinnerungswürdigeren Pinots aus dem Hause Chacra. Sicherlich ein anständiger****, wenn nicht sogar in einiger Zeit sehr anständiger***** Pinot mit viel Frische und wenigen naturalen Schattenseiten - was überhaupt und keinensfalls nicht heißen soll, dass Natural Wines generell von Schatten geplagt sind, doch wie jeder weiß, gibt es leider sehr sehr viele sehr zweifelhafte Weine in dieser nicht weiter klar definierten Produktionskategorie/-philosophie ....


Winderlea Vineyards and Winery Dundee Hills Vineyard Pinot Noir 2014, Dundee Hills




Der Winderlea Dundee Hills Vineyards Pinot Noir 2014 zeigte sich am ersten Tag nicht von seiner besten Seite. Am zweiten Tag präsentierte er um so mehr freudeerzeugende Oregon-Funk-lastige herkunftstypische Eigenschaften die mich versöhnen konnten. Farblich blieb er über die zwei Verkostungstage natürlich unverändert. Sehr transparent, eher etwas dunkler und mit einer recht knallig-leuchtenden Farbe ausgestattet. Was die Nase betrifft war er am ersten Tag sehr sehr zurückhaltend. Abgesehen von Laub, Pilzen, ganz schüchtern wirkende dunkle Kirschen - dafür aber etwas verwirrende grüne Banane, war der Wein zunächst sehr stark vom Holz geprägt. Ähnliches spielte sich auch am Gaumen ab. Hier zwar mit etwas mehr Frucht, mehr dunkelbeerig als kirschig, und leider mit erstaunlich softem Tannin und magenfreundlicher Säure „verwöhnt“. Glücklicherweise entwickelte sich der Dundee Hills Pinot Noir  über Nacht in eine wesentlich ansprechendere Richtung. In der Nase wesentlich mehr Expression von dunklen Kirschen, etwas Cassis, viel Laub, wild(-schweinisch)em Wacholder und Thymian, auch etwas Pfeffer und feinen getrockneten Pilzen. Auch am Gaumen in ähnlicherer Richtung verwandelt. Das Holz war ebenfalls ein wenig stärker aus dem Fokus gerückt. Am zweiten Tag insgesamt ein harmoniegeprägter, saft-und kraftbetonter Dundee Hills Pinot mit durchaus richtig anständigen**** Qualitäten. Versöhnen konnte er mich am zweiten Tag. Begeistern eher weniger ...


Domaine Henri Ruppert Pinot Noir Barrique 2015, Coteaux de Schengen




Der zweifelsohne naheste aller heutigen „Pinots weit weg“ - genauer, nur ein beachtlichen Steinwurf über die Mosel bei Schengen weg, ist der Pinot Noir Barrique 2015 der Domaine Henri Ruppert. Für mit der Region Vertraute: Das Raumschiff links neben der Autobahnbrücke! Dieser ziemlich dunkle und etwas trübe wirkende Pinot kam in den ersten Stunden relativ teutonisch anmutend um die Ecke. Mit viel Holz, viel Rauchspeck und samtiger Fruchtigkeit forderte er meine Zunge heraus. Eine Neigung zur süßlichen Zuckrigkeit fehlte ihm glücklicherweise schon von Beginn an. Wie dem auch sei! Nach ca. sechs Stunden und am Folgetag legte sich die schreinerphile Neigung beträchtlich und das rauchige Fleisch verschwand komplett! Jetzt zeigte sich viel saftig Pflaume, feine und durchaus passende Würze, leicht matschige Erdigkeit, angenehmer Rauch und ganz guter Druck. Das präsente, aber nicht weiter sonderlich harte Tannin und die lebendige Säure konnten micht durchaus überzeugen. Von eigentlicher Komplexität konnte beim Pinot Noir Barrique kaum die Rede sein. Von solider und gradliniger Qualität mit nun eher französischem Einschlag ganz sicher. Mit genügend Belüftung ein durchaus anständiges**** Pinotvergnügen!

25.1.19

Teutonic Wine Company Bridge Riesling 2013, Mosel / Willamette Valley & Friends



Regelmäßige Leser meines in letzter Zeit nicht all zu aktiven Blogs – das wird sich hoffentlich auch wieder ändern, ja ja die Hoffnung stirbt zuletzt ... – dürften sich erinnern, dass ich vor wenigen Jahren ein äußerst interessantes und ganz sicher erfrischend ungewöhnliches Rieslingexperiment vom Weingut Immich-Anker von der Mittelmosel und der Teutonic Wine Company aus Oregon verkosten durfte. 

1.1.19

Gusbourne Rosé 2012, Kent



Happy New Year Everybody ... not dead yet ... I mean the blog! This little vibrant Pinot++ bubbly from Gusbourne was a nice Pre-New-Year's-Eve treat! Plenty of red apples, Danish pastry and "English" strawberries intriguingly fizzy gentle beyond sticky rosé'ish kitsch! Definitely quite a decent **** surprise. I hope I will be able to tackle my embarrasing laziness and write a bit more this coming year ... not sure I can believe myself ... buuut I am quite positive!

24.9.18

Domaine Eisgrub Pinot Noir Terroir 2015, Mikulovská





Wie es für den ebenfalls wiederauferstandenen Leser nicht weiter verwunderlich sein dürfte, wird meine Zunge immer noch ab und an von „Pinots weit weg“ verwöhnt. Dieses Mal verschlägt es sie in das mährische Weinbaudorf Lednice im Dreiländereck Tschechien, Slowakei und Österreich. Lednice, bzw. auf Deutsch Eisgrub – was uns den Namen des Weinguts Domaine Eisgrub erklärt, ist in erster Linie für seinen prächtigen im neo-gothischen Stil erichteten Palast der nicht so ganz unbekannten Fürstenfamilie von Liechtenstein bekannt. Weinbau hat in dieser Region ebenfalls eine lange Tradition, die bis zu den Römern zurückreicht. Pinot Noir (aka Rulandské modré) ist neben St. Laurent, Zweigelt und Blaufränkisch die wichtigste rote Sorte im südlichen Mähren. Da mein Tschechisch genau so inexistent wie mein Polnisch ist, zieht sich glücklicherweise mein Einfürhrungstext nicht wieder in unerträgliche Längen. Was dies betrifft, sollte ich meine Zunge wohl öfters ins östliche Europa schicken. Wie dem auch sei - zum Wein ...!

7.9.18

Winnica Wieliczka (Agnieszka Wyrobek-Rousseau) Riesling 2016, Wieliczka


I've done it too often! I better won't loose another word about the sudden - and after several months certainly surprising - resurrection of my virtual tongue. My excuse wouldn't be very entertaining anyway. Back to the matter on tongue! One wine of the past months, which I definitely cannot allow to be dropped into the ocean of wine obscurity, is the 2016 Riesling from Agnieszka Wyrobek-Rousseau of Winnica Wieliczka in Poland. Yes, the magic name! Right!? No idea if there is any relation. My Polish is totally inexistent! Who cares?! Well, I did actually! Just the discovery of her existence prior to my journey to Krakow instantaniously triggered my desperate wish to try one of her wines! This resulted in a journey throughout the wine bars of Krakow. And in the end I was successful! I found her 2016 Riesling from the Wieliczka Vineyards. Agnieszka Riesling convinced me with a surprisingly firm body and even more surprising subtle, perhaps not all too ferociously vivid, acid. Its saltyness was rocking my palate. Well, the vinyards are above the enormously famous Wieliczka salt mine after all. Besides all that I got flavours of rather ripe lemons, a whiff of pine-apple, a right portion of elderberry, white pepper, thyme, beautifully shy capers and plenty of other greenery. Its finish was highly impressive. Without any doubt the most impressive wine I ever had from Poland. Okay, okay … I haven't had so many. To me a very decent ***** Riesling with character and potential for the years ahead!

18.2.18

Pinots aus TasKatLuxSlo

Von Schreibfäulnis durchtränkte Pinot-Monate liegen hinter mir! Irgendwie kriege ich diesen neuen Fehlton nicht weggeschönt. Da ich aber einige sehr lohnenswerte „Pinots weit weg“ nicht so einfach vom Tisch wischen möchte, soll es heute zu einer geballten Nachlieferung an Flaschen kommen. Dieses mal schicke ich meine Zunge nach Tasmanien, in den Nordosten Spaniens, das kleine Luxemburg um abschließend im voralpinen Slowenien einen komplex-jugendlichen Abgang zu finden.

 
Dalrymple Bicheno Pinot Noir 2012, Tasmania

Transparenz mit hellem, aber etwas blutig wirkendem, Granat, welches sehr glänzend und farblich sehr durchgängig wirkte, zeigte sich in meinem Glas. Die Nase wirkte mir ein wenig zu parfümiert, aber sicherlich auch nicht unangenehm. In den Vordergrund spielten sich nicht ganz dunkle Kirschen, sowie ziemlich würzige und sehr saftige Pflaumen. Eher im Hintergrund zeigten sich etwas überrösteter Kaffee, recht angenehmes Unterholz und ein ein stärkerer Hauch von Eiche. Am Gaumen wirkte der Tasmanier erstaunlich würzig, ähnlich von den Aromen, darüber hinaus zwar noch etwas voller … glücklicherweise aber nicht wärmer. Das sich im Hintergrund tummelnde Zündholz und der etwas angetäuschte Stich Karamell waren keinesfalls störend, so ganz meins waren diese Attribute dann aber auch nicht. Insgesamt ein wirklich überzeugender Pinot aus Tasmanien! Viel Dichte, viel Lange und mehr Komplexität als meine zu kurze Verkostungsnotiz vermuten lässt. Etwas körperbetonter und wolllüstiger – sicherlich zu dramatisch formuliert, glücklicherweise - als die anderen Pinots von Dalrymple. Dennoch ohne weiteres eine sehr anständige ***** Abwechslung aus der neuen Welt.


Castell D'Encus Acusp Pinot Negro 2013, Costers del Segre

Aus nicht ganz so fernen Gefilden kam der mittlerweile in hiesigen Weinkreisen nicht ganz unbekannte Acusp mit viel Tranzparenz und sehr hellem Rubinrot daher. Der Wasserrand erschien mir bemerkenswert groß. Auch die sehr spielerische Viskosität ist mir positiv aufgefallen. Seine Nase zeigte sich sehr frisch, schlankheitlich und sehr animierend. Sehr subtil sich einbringende Himbeeren zeigten neben frisch geschnittenen Rosen, etwas Zündholz (schon wieder?), milden mediteranen Kräutern und trockenem Laubwerk ihr schon fast volles Potential. Das in diesem noch sehr jungen Wein etwas doch und hoffentlich noch zu vital wirkende Holz sollte ich nicht verschweigen. Aber naja, sonst passte alles sehr gut! Der sehr jugendlich anmutende Gaumen wurde beherrscht von Himbeeren, dunklem Pflaumensaft – beides ein anfänglich ein wenig brausepulverhaft, einer sehr lebendigen Säure und einer verständlicherweise sehr babyhaften Textur, welche bei dem einen oder anderen (zu) frühen Schluck gewisses Nervungspotential inne hatte. Das hört sich aber wesentlich kritischer an, als es in Wirklichkeit war. Noch recht zurückgefahrenes Laubwerk, schüchterne Rosenblätter, etwas Brennessel und die eine oder andere Spur an Zimt, zeigten, dass von diesem Pinot durchaus viel in Zukunft zu erwarten sein dürfte. Insgesamt für ein südeuropäischen Pinot ein sehr feingliedriger und kühler Vertreter mit aufkommender Eleganz und Komplexität. Wie erwähnt aber noch sehr grün hinter den Ohren. Ebenfalls ein sehr anständiger ***** und überraschender Pinot Noir.

 
Keyser-Kohll Pinot Noir 2014, Coteaux d'Ehnen

Aus doch sehr nahen Gefilden, dessen Weine es eher selten über Mosel, Sauer und Our nach Teutonia schaffen, kommt der nächste Pinot Noir. Auch der Luxemburger hatte viel Strahlkraft! Diese aber aus wesentlich dunkler Farbgebung heraus emittierend. Farblich ging er schon eher in Richtung Granat. Transparenz war dennoch gegeben. Die Nase zeigte viel kalten Rauch, feine Holzkohle, kräftige dunkle Kirschen und straffe Würze von Thymian und etwas schwarzem Pfeffer. Wie die zwei ersten Attribute vermuten lassen, kam das Barrique in diesem ebenfalls jungen Wein noch relativ stark raus. Am Gaumen zeigte sich viel saftige und vitale Schwarzkirsche. Dazu ebenfalls reichlich Rauch, sowie feine Holzkohle und stramme Würze. Sein Tannin war erstaunlich knackig und die Säure sehr präzise. Abgang zeigte sich sehr herb-freundlich und respektabel lang. Stilistisch ganz offensichtlich in Richtung Frankreich orientiert! Vielleicht nicht gerade der vielschichtigste Pinot Noir, doch sehr viel ernsthafte Pinot-Freuden für erschreckend wenig Geld bekommt man hier allemal in Glas. Für mich absolut anständig **** …. vielleicht sogar (in einiger Zeit) mit Tendenz gen sehr anständig *****


Marjan Simcic Pinot Noir 2013, Goriška Brda

Und zum Abschluss geht es nochmal über die Alpen in Richtung Südosten. Simcic's Pinot Noir aus 2013 präsentierte sich für pinotige Verhältnisse sehr dunkel mit wenig Glanz. Die Nase zeigte sich zunächst recht schüchtern. Die fruchtige Prägung wirkte sogar zunächst etwas matschig und warm. Im Vordergund standen dunkle Kirschen, Thymian, Rauch und ungewöhnlicherweise eine reichhaltige Portion an Lakritze. Nach ungefähr fünf Stunden machte der Pinot mehr auf. Nun wirkte er ziemlich maskulin expressiv mit Düften die an Erde, Laub, Kaffee und etwas Moschus erinnerten. Auch die vorher errochene Wärme trat etwas in den Hintergrund. Am Gaumen wirkte er in den ersten Stunden sehr hart, wild und tanninbetont. Säure zeigte sich nicht ganz so roh. Von den Aromen her viel mehr Unterholz als in der Nase, dunkle Kirschen (hier weit weniger warm als in der anfänglichen Nase), viele schwarze Oliven, etwas Lakritz und viel eher kühlem Rauch. Nach wiederum ungefähr fünf Stunden wirkte das Tannin etwas freundlicher. Ein knackigen Punch hat sich dieser sehr junge Pinot dennoch über die zwei Verkostungstage bewahren können. Was die Frucht betraf zeigten sich die dunklen Kirschen und stärker aufkommendes Cassis ganz leicht konfitürig. Für mich hart an der Grenze zu eher unangenehmen Gefühlsregungen. Diese wurde aber glücklicherweise nicht überschritten. Sonst zeigte der Pinot wesentlich mehr Komplexität als in den ersten Stunden. Viel ernsthafte und straffe pfeffrig-thymian'ige Würze gepaart mit Blut, Oliven, Rauch und laubig-erdigen Aromen. Auch der Abgang zeigte sehr viel Potential für ein zukünftiges Genusserlebnis. Betonung auf zukünftig bezieht sich eigentlich auf den gesamten Wein! Lieber noch gute fünf Jahre liegen lassen und nicht so doof-neugierig agieren wie ich. Aber einer "muss" es ja schließlich machen. Sicherlich ein  anständiges **** Pinot Erlebnis, welches wohl nicht wirklich einer meiner stilistischen Präferenzen so richtig entspricht! Er hatte trotzdem was. Eben etwas wilder und draufgängerisch-körperbetonter!

31.12.17

Evesham Wood Cuvée J Pinot Noir 2010, Eola-Amity Hills



In the past year – well, in some places we already are in 2018 – I've really been one hell of a lazy Pinot prick around here. I hope this will change in 2018. Well, "we'll see what happens …“ Aaanyway, I don't want to slide away into the next year without mentioning one more Pinot Noir! In early November Joy, Chas and Dan from Portland came over to Teutonia to a have a drink or two or most probably more. Today's Pinot was by far the most memorbale of these drinks. The Cuvée J Pinot Noir 2010 from Evesham Wood showed combined characteristics some might find in "Old“ and "New“ World Pinots …!? The vines for the Cuvée J were cultivated in the Eola-Amity Hills on Nekia, Jory and Woodburn soils. It is a barrel selection from the best barrels of each vintage. Btw the "J“ derives from Jayer – Henri Jayer … it is an honor thing! The assorted Pommard clones were all planted in 1986. So, quite seasoned ones. The ageing took place in about 40% new French oak. So, let's go ...

15.11.17

Leichte Weisslichkeiten aus Lusitanien



Über die letzten Wochen habe ich einige zur Leichtigkeit neigende weisse Portugiesen verkostet ... und natürlich getrunken. Folgend nun eine kleine und für meine Verhältnisse ungewohnt kurze (glücklicherweise) Zusammenfassung ...