Für die vorweihnachtliche Zeit habe ich mir wie alle Jahre wieder vorgenommen ein paar „Pinots weit weg“ aus meinem Portfolio palatal abzuarbeiten. Den Beginn soll ein Kandidat aus einem mit stetig ansteigenden Wonnegefühlen ausgestatteten bayerngroßen Eiland machen: Tasmania! Schon seit einigen Jahren zeigen Pinots von Tassie immer mehr was für ein Potential in dieser Insel liegen kann. Wobei erwähnt werden sollte, dass im Großraum Hobart schon seit über 200 Jahren Wein angebaut wird. Nur meist mit nicht so feinen Vitis Vinifera Bewohnern wie Pinot Noir. Dieser edle Geselle fühlt sich erst seit den 1950iger Jahren so richtig heimisch und hat sich mittlerweile auf mehr als tausend Hektaren ausgebreitet. Das schon erwähnte Potential haben mittlerweile auch so manche namenhafte Weinproduzenten vom hoch solventen Festland gemerkt. Im heute vorliegenden Fall handelt es sich um das migrantische Projekt von Dalwhinnie Wines aus den südlichen Pyrenäen in Victoria welche sonst sehr auf kühle Shiraz und würzige Chardonnays spezialisiert sind. Seit wenigen Jahren produziert Dalwhinnie Pinot Noir aus den von ergiebigem Regen und schneidigen Wind beschützten südöstlichen Subregionen Coal River Valley, Derwent Valley und Huon Valley. In der Tat stellen Regen und Wind im bergig waldigen Westen und Norden der Insel die größten Probleme für den Weinbau dar. Schwer vorzustellen wenn man bedenkt was sonst die glutofenartigen klimatischen Voraussetzungen im restlichen Australien so sind ...
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14.12.25
18.2.18
Pinots aus TasKatLuxSlo
Von Schreibfäulnis durchtränkte
Pinot-Monate liegen hinter mir! Irgendwie kriege ich diesen neuen
Fehlton nicht weggeschönt. Da ich aber einige sehr lohnenswerte
„Pinots weit weg“ nicht so einfach vom Tisch wischen möchte,
soll es heute zu einer geballten Nachlieferung an Flaschen kommen.
Dieses mal schicke ich meine Zunge nach Tasmanien, in den Nordosten
Spaniens, das kleine Luxemburg um abschließend im voralpinen
Slowenien einen komplex-jugendlichen Abgang zu finden.
Dalrymple Bicheno Pinot Noir
2012, Tasmania
Transparenz mit hellem, aber
etwas blutig wirkendem, Granat, welches sehr
glänzend und farblich sehr durchgängig wirkte, zeigte sich in meinem Glas. Die Nase wirkte mir
ein wenig zu parfümiert, aber sicherlich auch nicht unangenehm. In
den Vordergrund spielten sich nicht ganz dunkle Kirschen, sowie ziemlich
würzige und sehr saftige Pflaumen. Eher im Hintergrund zeigten sich
etwas überrösteter Kaffee, recht angenehmes Unterholz und ein ein
stärkerer Hauch von Eiche. Am Gaumen wirkte der Tasmanier
erstaunlich würzig, ähnlich von den Aromen, darüber hinaus zwar
noch etwas voller … glücklicherweise aber nicht wärmer. Das sich
im Hintergrund tummelnde Zündholz und der etwas angetäuschte Stich
Karamell waren keinesfalls störend, so ganz meins waren diese Attribute dann aber
auch nicht. Insgesamt ein wirklich überzeugender Pinot aus
Tasmanien! Viel Dichte, viel Lange und mehr Komplexität als meine zu kurze Verkostungsnotiz vermuten lässt. Etwas körperbetonter und wolllüstiger – sicherlich zu
dramatisch formuliert, glücklicherweise - als die anderen Pinots von
Dalrymple. Dennoch ohne weiteres eine sehr anständige *****
Abwechslung aus der neuen Welt.
Castell D'Encus Acusp Pinot Negro 2013,
Costers del Segre
Aus nicht ganz so fernen Gefilden kam
der mittlerweile in hiesigen Weinkreisen nicht ganz unbekannte Acusp mit viel
Tranzparenz und sehr hellem Rubinrot daher. Der Wasserrand erschien
mir bemerkenswert groß. Auch die sehr spielerische Viskosität ist
mir positiv aufgefallen. Seine Nase zeigte sich sehr frisch, schlankheitlich
und sehr animierend. Sehr subtil sich einbringende Himbeeren zeigten
neben frisch geschnittenen Rosen, etwas Zündholz (schon wieder?),
milden mediteranen Kräutern und trockenem Laubwerk ihr schon fast volles
Potential. Das in diesem noch sehr jungen Wein etwas doch und hoffentlich noch zu vital
wirkende Holz sollte ich nicht verschweigen. Aber naja, sonst passte
alles sehr gut! Der sehr jugendlich anmutende Gaumen wurde beherrscht
von Himbeeren, dunklem Pflaumensaft – beides ein anfänglich ein wenig
brausepulverhaft, einer sehr lebendigen Säure und einer
verständlicherweise sehr babyhaften Textur, welche bei dem einen
oder anderen (zu) frühen Schluck gewisses Nervungspotential inne hatte.
Das hört sich aber wesentlich kritischer an, als es in Wirklichkeit
war. Noch recht zurückgefahrenes Laubwerk, schüchterne
Rosenblätter, etwas Brennessel und die eine oder andere Spur an
Zimt, zeigten, dass von diesem Pinot durchaus viel in
Zukunft zu erwarten sein dürfte. Insgesamt für ein südeuropäischen
Pinot ein sehr feingliedriger und kühler Vertreter mit aufkommender
Eleganz und Komplexität. Wie erwähnt aber noch sehr grün hinter
den Ohren. Ebenfalls ein sehr anständiger ***** und überraschender Pinot Noir.
Keyser-Kohll Pinot Noir 2014, Coteaux
d'Ehnen
Aus doch sehr nahen Gefilden,
dessen Weine es eher selten über Mosel, Sauer und Our nach Teutonia
schaffen, kommt der nächste Pinot Noir. Auch der Luxemburger hatte viel Strahlkraft! Diese aber aus wesentlich dunkler Farbgebung heraus
emittierend. Farblich ging er schon eher in Richtung Granat. Transparenz
war dennoch gegeben. Die Nase zeigte viel kalten Rauch, feine Holzkohle,
kräftige dunkle Kirschen und straffe Würze von Thymian und etwas
schwarzem Pfeffer. Wie die zwei ersten Attribute vermuten lassen, kam
das Barrique in diesem ebenfalls jungen Wein noch relativ stark raus.
Am Gaumen zeigte sich viel saftige und vitale Schwarzkirsche. Dazu
ebenfalls reichlich Rauch, sowie feine Holzkohle und stramme Würze.
Sein Tannin war erstaunlich knackig und die Säure sehr präzise.
Abgang zeigte sich sehr herb-freundlich und respektabel lang.
Stilistisch ganz offensichtlich in Richtung Frankreich orientiert!
Vielleicht nicht gerade der vielschichtigste Pinot Noir, doch sehr
viel ernsthafte Pinot-Freuden für erschreckend wenig Geld bekommt
man hier allemal in Glas. Für mich absolut anständig **** ….
vielleicht sogar (in einiger Zeit) mit Tendenz gen sehr anständig *****.
Marjan Simcic Pinot Noir 2013, Goriška Brda
Und zum Abschluss geht es nochmal über
die Alpen in Richtung Südosten. Simcic's Pinot Noir aus 2013
präsentierte sich für pinotige Verhältnisse sehr dunkel mit wenig
Glanz. Die Nase zeigte sich zunächst recht schüchtern. Die
fruchtige Prägung wirkte sogar zunächst etwas matschig und warm. Im Vordergund
standen dunkle Kirschen, Thymian, Rauch und ungewöhnlicherweise eine
reichhaltige Portion an Lakritze. Nach ungefähr fünf Stunden machte
der Pinot mehr auf. Nun wirkte er ziemlich maskulin expressiv mit
Düften die an Erde, Laub, Kaffee und etwas Moschus erinnerten. Auch
die vorher errochene Wärme trat etwas in den Hintergrund. Am Gaumen
wirkte er in den ersten Stunden sehr hart, wild und tanninbetont.
Säure zeigte sich nicht ganz so roh. Von den Aromen her viel mehr
Unterholz als in der Nase, dunkle Kirschen (hier weit weniger warm
als in der anfänglichen Nase), viele schwarze Oliven, etwas Lakritz
und viel eher kühlem Rauch. Nach wiederum ungefähr fünf Stunden wirkte
das Tannin etwas freundlicher. Ein knackigen Punch hat sich dieser
sehr junge Pinot dennoch über die zwei Verkostungstage bewahren können. Was die Frucht betraf zeigten
sich die dunklen Kirschen und stärker aufkommendes Cassis ganz
leicht konfitürig. Für mich hart an der Grenze zu eher unangenehmen
Gefühlsregungen. Diese wurde aber glücklicherweise nicht überschritten. Sonst zeigte
der Pinot wesentlich mehr Komplexität als in den ersten Stunden. Viel ernsthafte und straffe
pfeffrig-thymian'ige Würze gepaart mit Blut, Oliven, Rauch und
laubig-erdigen Aromen. Auch der Abgang zeigte sehr viel Potential für ein
zukünftiges Genusserlebnis. Betonung auf zukünftig bezieht sich eigentlich auf
den gesamten Wein! Lieber noch gute fünf Jahre liegen lassen und
nicht so doof-neugierig agieren wie ich. Aber einer "muss" es ja schließlich machen. Sicherlich ein anständiges **** Pinot Erlebnis, welches wohl nicht wirklich einer meiner
stilistischen Präferenzen so richtig entspricht! Er hatte trotzdem was. Eben etwas wilder und draufgängerisch-körperbetonter!
7.3.16
Dalrymple Pipers River Pinot Noir 2013, Tasmania
Heute möchte ich mich in einen der
hintersten Winkel der Weinwelt verirren in welcher weder meine Zunge,
noch mein restlicher Körper - leider, je die Freude genießen durfte
vorort ein wenig verweilen zu dürfen. Zwischen dem pazifischen und dem
indischen Ozean liegt eine mit Bayern vergleichbar Insel, natürlich
nur hinsichtlich ihrer eigentliche Größe versteht sich, auf der ein
gemäßigtes von den Ozeanen stark beeinflusstes Klima vorherrscht.
Wie man als aufgeweckter Leser schon aus der Überschrift ersehen kann,
bezieht sich mein approximatives Geschreibsel auf die Insel Tasmanien an der Südflanke des australischen
Bundesstaates Victoria.
Für seine Teufel, seine Segler,
gar Errol Flynn und nicht zu vergessen seine wunderschöne Natur ist die
Insel bekannt. Was Weinbau betrifft, hält sich die Bekanntheit eher
noch ein wenig in Grenzen. Daher vorab eine kleine Einführung. Seine Ursprüngen hat Tasmaniens Weinbau in der Mitte
des 19. Jahrhunderts. Diese ersten Versuche von frühen europäischen Siedlern versandeten schon nach
wenigen Jahren in den auf Tasmanien vorherrschenden Sandböden. Erst
in den 1950er Jahren einwickelte sich ein zweiter Anlauf in Sachen
lokaler Weinbau. Heute gibt es auf der Insel in etwa 1800 ha
an Weinbergen die von ca. 160 Weinbaubetrieben unterhalten werden.
Bezüglich der angebauten Rebsorten herrscht eine entschiedene
Konzentration auf Burgunder Rebsorten (44% Pinot Noir - oft für Schaumwein, 23%
Chardonnay, 11% Grauburgunder und 12% Sauvignon Blanc) vor. Unterteilt
wird Tasmanien in fünf Bereiche: in das mit Abstand größte
Weinbaugebiet Tamar Valley im Norden der Insel entlang des Tamar
Fluss, in die zerstückelte Weinregion entlang der Ostküste, in das Coal River
Valley, in das Derwent Valley inkl. Huon/Channel und letztlich in die
nord-östliche Weinregion entlang des Pipers River - aus
welcher auch mein heutiger „Pinot weit weg“ stammt.
Hergestellt wurde mein Pipers River
Pinot Noir 2013 von Dalrymple Vineyards. Gegründet wurde Dalrymple
von Bertel and Anne Sundstrup im Jahre 1987. Aktuell ist eigentliche
Weinverantwortliche der durch und durch pinosity getriebene Peter
Caldwell. Gewachsen sind die Trauben für den Pipers River Pinot Noir
auf sandigen, lehmigen und zu kleinen Teilen sogar auf vulkanischen Böden.
Vergoren wurden die Trauben in offenen Holzbottichen (mit teilweise
bis zu 30% mit Rappen, je nach Reife und Herkunft der Trauben). Die anschließende Reifung in französischen
Barriquefässern (22% neues Holz, der Rest Zweit-und Drittbelegung)
dauerte ca. 10 Monate. Genug der trockenen Vorrede, jetzt endlich wird es etwas
flüssiger ...
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