28.1.14

Schweizer Allerlei Teil Drei



Endlich! Endlich habe ich es geschafft meine Notizen von Teil Drei von Schweizer Allerlei zu sortieren um sie dem virtuellen Kosmos zur Verfügung stellen zu können! Dieses Mal gibt es kleine Abweichung im Vergleich zu den vorangegangenen Schweizer Allerlei Verkostungen. Es wurde mehrheitlich aus 0,75 Flaschen genossen. Zur Hölle mit der Leber und all den Vorsätzen! Darüber hinaus entstammten die meisten der verkosteten Weine aus der Oberklasse des jeweiligen Weingutes. Auch dieses Mal soll meine Allerlei Exkursion mit einem Chasselas aus dem Kanton Waadt beginnen. Im Waadt verweilend kommt es mit einem Saint-Saphorin zu einem beträchtlichen Farbwechsel. Anschließend geht es hoch hinauf in die Bergwelt des Wallis. Dann tief herunter an den Zürichsee. Um schließlich wie immer im Tessin ein gebührenden Abschluss zu finden. Genug der Worte! Her mit dem Wein …




Für alle Schweizer Leser würde ich vorschlagen die nun folgenden zwei Absätze einfach zu überspringen! Es könnte langweilig werden. Von diesem nun folgenden Wein dürfte wohl jeder vinophile Schweizer zumindest schon einmal im Leben ein Schlücken verkostet haben. Also eher nicht viel neues zu erwarten. Zumal, ausgerechnet aus meiner Feder da wirklich nicht viel neue Erkenntnis hinzukommen dürfte. Für alle anderen soll das genug der Vorrede sein. Er erste Schweizer aus Allerlei Teil Drei Wein ist der Aigle les Murailles 2011 von Henri Badoux aus dem Chablais am östlichsten Zipfel des Genfersees. Vergoren und Ausgebaut wurde dieser aus gips- und kreidehaltigen „schwindelerregenden Terrassen“ stammende Chasselas im Edelstahl.

Der Inhalt, der wie gewohnt etwas lustig-frivol aussehenden Pot Vaudois Flasche, hatte einen glänzende ins Silber-Messing tendierende Farbe, die mir gar nicht so farbarm vorkam wie bei anderen Jahrgängen. Auch die dichte Viskosität überraschte mich ein klein wenig. Die Nase verströmte viele Aromen von delikaten weißen Blüten (vielleicht auch Lindenblüten), ein gehöriges Maß an Akazienhonig, Spuren von Gras sowie eine einfache und angenehme "Milchigkeit". Am Gaumen war er schlank, nicht dünn – wie von mir vorab genährt aus vorherigen Erfahrungen befürchtet, sehr klar, in vielerlei Hinsicht mild (Säure, Fruchtausdruck, Mundgefühl usw.), zeigte angenehme delikate Honigaromen, Etwas von Bayrisch Creme, mit Betonung auf Creme, und eine relativ jung wirkende grüne würzige mineralisch Prägung. Ich hatte diesen nicht sehr diffizilen, milden und sehr trinkigen Wein aus früheren Jahren in nicht all zu guter Erinnerung. Der 2011er aus der 0,37 Flasche scheint im Moment in einer wirklich guten Verfassung zu sein. Für mich ohne Probleme ein guter so la-la*** Chasselas.

Etwas weiter im Westen, entlang des Genfersees, kommt man in der Region um Vevey in das mit ca. 805 ha ein wenig kleinere Weinbaugebiet Lavaux. Das Lavaux mit seinen namenhaften Grand Cru Appellationen dürfte vielleicht der interessanteste Abschnitt des Genfersees sein. Die Weine der Domaine Louis Bovard aus dem Dörfchen Saint-Saphorin sind keine Unbekannten. Auch hier dominiert im Sortiment zweifelsohne der Chasselas. Doch auch Rotweine, wirkliche Rotweine, aus Syrah und Merlot kommen zahlreich auf die Flasche. Ich möchte heute meine Aufmerksamkeit dem „Mittelklasse“ Rotwein Cuvée des Hauses schenken. Das Cuvée Louis aus dem 2011 ist ein für 15 bis 18 Monate in Barrique und großen Holzfässern ausgebauter Verschnitt von zu je einem Drittel Syrah, Merlot und Pinot Noir.

Die Farbe des Cuvée Louis erinnerte mich spontan an frisches Ochsenblut mit klaren Reflexen und einem Hauch von Transparenz. In der Nase meinte ich, dass der würzige Syrah eindeutig dominierte. Der Duft verströmte vielerlei Gewürze, dunkle Beerenfrucht, etwas Trockenfleisch und so manch lakritzig-teerigen Aromen. Eine verständlicherweise sehr junge, auch ein wenig ungestüme Nase, aber keinesfalls uninteressante Nase. Auch der Geschmack des Louis zeigte viel von seiner Jugend. Die dunkle Beerenfrucht wirkte zunächst ein wenig schüchtern. Das Trockenfleisch und die Gewürze, insbesondere weißer Pfeffer, wirkten intensiv und vielleicht ein bisschen sehr seifig. Das Tannin war semi-hart, staubig und etwas burschikos. Später und am zweiten Tag öffnete sich der Wein hinzu einem (gefühlt) sehr präsenten, durchweg kühl wirkenden und angenehm würzigen, Syrah mit schmeckbarer Merlotbeigabe. Die etwas wilde Charakteristik inkl. der Trockenfleisches nahm mit der Zeit stetig ab. Die an der Cuvée beteiligten Teilnehmer Merlot und insbesondere Syrah waren eindeutig schmeckbar. Der Pinot Noir ging an meinem Gaumen eigentlich komplett unter. Mag sein, dass er dem Wein seine Frische und die zu keinem Zeitpunkt zur Üppigkeit tendierende Struktur lieferte. Doch geschmacklich merkte ich nichts von diesem Drittel. Für mich ohne Zweifel ein anständiger **** Wein der mir Spaß bereitete. Eine gute Länge sowie ansprechende Konzentration inklusive. In einigen Jahren bestimmt ein unkomplizierter und nicht unterfordernder Spaßwein kühler Prägung.

Beim nächsten Wein geht es hoch hinaus! Die St. Jodern Kellerei im deutschsprachigen Teil des Wallis verfügt nach Eigenaussage mit dem Heidadorf Visperterminen (650 bis 1150 m über dem Meeresspiegel) über den höchstgelegenen Weinberg Europas. Das Traubengut für meine „Pinot hoch hinaus“ kam ebenfalls aus diesem Weinberg. Beim Blauburgunder 2011 handelt es sich um einen Wein der nur knapp über 10 Franken (0,75 l Flasche) gekostet hat. Demnach war es bis jetzt der bei weitem günstigste Wein während meiner Schweizer Allerlei Verkostungen.

Seine Farbe zeigte ein sehr glänzendes, sehr klares, super klassisch wirkende Rubinrot mit sehr engem Wasserrand und enorm viel Transparenz. Die Nase war simpel, kühl und ohne irgendwelche Schnörkel oder verstecktem Entwicklungspotential. Düfte von Hagebutten, ein paar helle Pflaumen (chinesische) und viel Rauch machten das etwas zurückhaltende und sehr leicht wirkende Bukett aus. Am Gaumen zeigte sich frische und mir etwas zu süß wirkende Erdbeerfrucht sowie Spuren von Karamell und Orangenschale. Die rauchige Prägung war auch hier vorhanden. Der Körper wirkte schlank, rank und ein ziemlich simpel. Auch die sehr dezenten Bitterstoffe im Abgang möchte ich nicht verschweigen. Trotz mancher Einfachheiten und Defizite ist das, was letztlich für diesen Preis und dieser Lage auf die Flasche gebracht wurde durchaus respektabel. Wenn ich auch eher der Meinung bin, dass eine stärkere (und letztlich teurere) Qualitätsorientierung in so einer exponierten Lage vielleicht vorteilhafter wäre. Ein solider so la-la*** Pinot aus dem Basissegment.

Von ganz oben in den Bergen geht es beim nächsten Wein in das helvetische Tiefland, wenn man in der Schweiz von so was überhaupt reden mag, rund (oder fast rund) um den Zürisee. Direkt gegenüber der was die Önologie betrifft hoch relevanten Gemeinde Wädenswil liegt der Ort Männedorf. In dortiger Umgebung betreibt seit 1998 Rico Lüthi auf geschlagenen zwei Hektaren in den Lagen Ueriker Risi, Sternenhalde und Lattenberg Weinbau. Da mir die Region in und um Zürich etwas vertrauter ist habe ich mich auf diesen Wein ganz besonders gefreut. Der Pinot Noir Élevé en Barrique 2010 wurde mit ca. 18 Tagen Kaltmazeration und zwölfmonatigem Barriquelager zubereitet.

Bei den visuellen Merkmalen des Élevé en Barrique fiel mir zunächst der erstaunlich breite Wasserrand auf. Sonst erschien die eigentliche Färbung sehr klassisch pinot'ig. Die Fönung könnte ein wenig überdurchschnittlich fahl gewesen sein. Die Nase zeigte die ersten zwei Stunden sehr feine Erdbeerfrucht, etwas Zündholz, ein paar Anzeichen von seiner ländlicher Herkunft, im Sinne von Tier- Heugerüchen, und eine Duftkomponente die ich gerne mit Hühnersuppe verbinde. Natürlich ist besonders der letzte Eindruck auf andere Verkoster schwer zu tragen bzw. zu vermitteln. Mir fällt nur nichts besseres ein. Eine recht präsente Holzprägung die ersten Stunden war wesentlich offensichtlicher. Doch schon nach ca. zwei Stunden, und natürlich noch klarer am zweiten Tag, zeigten sich die Fruchtnoten wesentlich ausgereifter und die Tierwelt, wie auch das Holz, traten in den Hintergrund. Eine ähnliche Entwicklung zeigte sich auch am Gaumen. Auch hier war insbesondere die Holznote, trotz ihrer Präsenz eine sehr feine Holznote, sehr im Vordergrund und machte dem eher fein wirkenden Wein ein wenig zu schaffen. Glücklicherweise ging die Entwicklung in die Richtung in die sie auch bei der Nase ging. Nach gut zwei Stunden und mehr zeigte sich ein sehr frischer, delikat fruchtbetonter Pinot Noir (Erdbeeren, etwas Cassis und Spuren von Limetten) mit festem Zug und leichtem Körper, welcher nun von einer milden Holzprägung positiv unterstützt wurde. Für mich ein sehr gelungener Pinot Noir. Hätte er ein wenig mehr mineralische Tiefe und Komplexität gehabt, wäre er für mich ohne Probleme ein sehr anständiger ****** Wein. So bin ich ein wenig am schwanken was meine allgemeine, und stets zur Dümmlichkeit neigende, Bewertung betrifft. Seine wirklich wunderbar leichtfüßige, angenehme Fruchtigkeit konnte mich schon ein wenig sehr begeistern. Ich schätze anständiger, sehr anständiger Wein ist das passende Urteil ;-).

Wie gewohnt kommt mein letzter Wein aus dem Tessin. Dieses mal sollte es ein Wein von Christian Zündel sein. Seit den 1980er Jahren widmet sich der eigentliche Geologe dem Weinbau und konnte damit über die Jahre sehr viel Aufmerksamkeit erregen. Heute kultiviert er auf ca. vier Hektaren bei Beride Merlot, Chardonnay und Cabernet Sauvignon nach biodynamischen Richtlinien. Mein heutiger Zündel, der Orizzonte aus dem schwierigen Jahr 2008, ist ein Cuvée aus Merlot und Cabernet Sauvignon. Die Trauben sind auf Granit, Gneis, Sand und auch Lehmböden gewachsen. Ausgebaut wurde der Wein in gebrauchten Pièces aus dem Burgund. Was die eigentliche Verkostung betrifft sollte ich voranstellen, dass ich nur zweimal zuvor von Horizont-Weine aus anderen Jahrgängen kosten konnte. Im Vergleich zu diesen präsentierte sich der 2008er in einem ziemlich anderen, sehr leichten und ein wenig unkommunikativen Zustand. Dies machte den Wein wesentlich schwerer fassbar für mich. Während der Verkostung tendierte ich wahrscheinlich dazu, den vorliegenden 2008er mit den Weinen aus besseren Jahrgängen zu vergleichen. Da hatte es dieser wegen seiner noch delikaten Stilistik, als sonst bei Zündel üblich, ein wenig schwerer.

Die Farbe des Orizzonte 2008 war nicht weiter sonderlich auffällig. Recht dunkel, vielleicht minimal ins Rot-Braune gehend und gute Transparenz. Bei der Nase dominierte zunächst der Cabernet Sauvignon Anteil. Viel grüner sehr würziger Pfeffer, deutlich präsenter dominikanischer Tabak und reichlich schwarze Johannisbeeren. Nach ca. vier Stunden und darüber hinaus entwickelte sich mehr Kraft und Ausdruck. Nun zeigten sich auch die etwas „dicker“ wirkenden Merlot Attribute ab und an. Am Gaumen kam es zu einem ähnlichen Entwicklungsablauf was die Aromen betrifft. Hier erschienen die Aromen von Beginn an etwas kräftiger und ausdrucksstärker. Neben dem grünen Pfeffer zeigte sich viel mehr junger (etwas grüner) Tabak, viel verhaltener Teer, Impressionen von Mullbinden und sogar ein klein wenig Torf. Doch alle Aromen waren von Leichtigkeit und schüchterner Strenge geprägt. Die schüchterne Strenge, wahrscheinlich etwas missverständlich, machte für mich den eigentlichen Unterschied zu anderen Jahrgängen aus. Auch diese Weine waren eher von leichter Struktur, doch nicht so schüchtern und von grüner Aromatik geprägt wie es der 2008 tat. Ob der Wein im Moment zu jung ist kann ich beim besten Willen nicht sagen. Zumindest hat er nicht so gewirkt. Das Tannin und Säure erschienen gut integriert und eher unauffällig. Doch, natürlich es kann gut sein, dass er zu jung verkostet wurde. Wäre bei meinen Schweizer Allerlei Verkostungen ja nichts neues. Mit einer Bewertung tue ich mir sehr schwer. Die sehr anständige***** Qualität war ganz sicher spürbar. Beim Potential bin ich mir nicht sicher. Ich denke ein guter Wein, den ich nochmals nach verkosten sollte. Eine gewisse Faszination wie bei vorherigen Horizonten hat sich bei mir leider nicht eingestellt.

So! Jetzt habe ich ganze drei Teile Schweizer Allerlei hinter mich gebracht und genug habe ich immer noch nicht! Bis jetzt haben mir alle verkosteten Weine mehr oder weniger gut gefallen. Das kommt bei 15 tendenziell wahllos ausgesuchten Weine bei mir eher selten vor. Das erstaunt mich ein wenig. Insbesondere weil viele Chasselas und Rosé dabei waren. Solche Weine gehören eigentlich nicht zu meinen präferierten Trinkopfern.

Da ich unersättlicher Kerl anscheinend immer noch nicht genug habe, könnte es sein, dass auch im Februar eine kleine Verkostung ansteht. Da könnte es möglicherweise an die weiter westlich gelegenen Gestade des Genfersee gehen. Ein weiterer Besuch im Dézaley ist ebenfalls im bereich des Möglichen. Das bis jetzt ein wenig vernachlässigte Graubünden könnte vielleicht auch ein möglicher Ort der Begierde werden. Und falls es wirklich zu einem Schweizer Allerlei Teil Vier kommen sollte, darf als Abschluss das Tessin natürlich nicht fehlen ….

4 comments:

Philipp Binaghi said...

Unbedingt auch mal einen Culdree von Enrico Trapletti probieren. Der 2011er ist ebenfalls ein superschöner Wein!

LG
Philipp

Oh Dae-su said...

Mach ich :-)

Philipp Binaghi said...

und eben... Gib Bescheid, wenn mal in der Gegend sein solltest! ;-)

Oh Dae-su said...

Gleiches gilt für dich natürlich ebenfalls ;-). Gruss und Schönen Sonntag