4.6.13

Timo Mayer Bloody Hill Pinot Noir 2009, Yarra Valley



Beim heutigen Wein bin ich mal wieder etwas voreilig! In verschiedener Hinsicht. Zum einen ist mir bewusst, dass der heutige Pinot sicherlich noch das eine oder andere Jahr Flaschenlagerung vertragen könnte und zum anderen hat es sich mal wieder gezeigt, dass das Yarra Valley im nordöstlichen Großraum Melbournes zu den besten Pinot Noir Regionen der Welt gehört. Genung der Voreiligkeit - jetzt zum Wein! 

Produziert wurde der heutige Pinot Noir vom gebürtigen Remstäler Timo Mayer. Dieser produziert auf geschlagenen 2,5 Hektar insgesamt vier Weine aus Pinot Noir, Chradonnay und Shiraz. Sein Weingut befindet sich, wie der aufmerksame Leser wohl schon bemerkt hat, nicht im Schwabenland sondern im Bundesstaat Victoria des fünften Kontinents. Genauer gesagt im Yarra Valley das seit wenigen Jahrzehnte für gute, aber oft sehr unterschiedliche (Bandbreite zwischen mächtigen Komplexo-Frucht-Bomben und filigranen Gaumentänzern), Pinot Noirs bekannt ist. Timo Mayer's Pinot Noir würde ich eher zur letzteren Gruppe zählen. Ich schlage einfach mal vor wir schauen mal wie der heutige Bloody Hill Pinot Noir 2009 sich „geschlagen“ hat …


Wie gehabt fange ich mal mit der Farbe des Weines an. Diese musste natürlich dem Namen entsprechend blutrot gewesen sein. Gut möglich! Ich würde sie eher mit Eigenschaften wie sehr klassisch rubinrot, transparent, sehr klar mit wenig Schwebeteilchen und vielen jugendlichen Reflexen beschreiben. Die Nase war in den ersten Stunden eher sehr zurückhaltend und wesentlich stärker von „mineralischen“ und weniger fruchtigen Düften geprägt. Ich meinte einprägsame Gerüche von Heublumen, feuchtem Laub, recht grünem frisch geschnittenem Rosenholz, sehr feinem Rauch, Hagebutten sowie sehr ernsthaft wirkenden und zurückhaltenden Erdbeeren erriechen zu können. Nach ca. fünf Stunden und vor allem am zweiten Tag öffnete sich ein sehr ausdrucksstarkes, feingliedriges, florales und fein fruchtiges Bukett, dass mir eine gehörige Portion an Begeisterung abringen konnte. Die Nase wollte ich nicht als parfümiert bezeichnen. Dafür war sie viel zu filigran und schüchtern. Sie war letztlich einfach nur sehr beeindruckend! Beim Geschmack verhielt es sich die ersten Stunden ähnlich. Zunächst war dieser von der Fruchtseite gesehen eher sehr zurückhaltend. Trotzdem konnte man die mineralische Prägung und eine sehr elegante, kühl anmutende und seriöse Typizität feststellen. Das Tanningerüst erschien noch etwas jugendlich mild-ruppig und die Säure sehr belebend und ganz sicher eleganzverleihend. Übermäßiger Alkohol oder bedenkliche Holzaromen standen bei diesem Wein aber auch so gar nicht auf der Agenda. Die anfänglichen Fruchtaromen waren wie schon erwähnt sehr reserviert. Einige Anklänge von reifen Walderdbeeren und einem Hauch von Brombeeren konnte ich trotz Schüchternheit sicherlich feststellen. Wie auch schon bei der Nase zeigte sich die Frucht nach mehreren Stunden Wartezeit (und natürlich am zweiten Tage) wesentlich bestechender. Nun konnte die Frucht mit raffinierten und ausgeprägten Aromen von Walderdbeeren, einigen reifen Himbeeren und Spuren Brombeeren beeindrucken. Aufdringlich oder „fruchtbombig“ waren diese Eindrücke absolut nicht. Sehr kühl, sehr seriös (obwohl ich selber gerade nicht weiß was das nun wirklich heißen soll) - sehr bemerkenswert! Auch die erstaunliche Länge des Abgangs und die feine Tiefgründigkeit verbesserten sich am zweiten Tage zusehends. Daraus kann man als aufmerksamer Leser, schon wieder, herausfiltern, dass ich wohl der Meinung bin: Noch ein wenig liegen lassen! Zuletzt muss ich mich noch durchringen eine Wertung mit meinem zweifelhaften Bewertungsschema abzugeben. Heute druckse ich mal zur Abwechslung etwas rum! Im Moment würde ich ihn als ein sehr anständig ***** Pinot Noir mit Ambitionen zu fantastischen ****** Qualitäten bezeichnen. Fantastisch wird er bestimmt in zwei bis vier Jahren sein. Da bin ich mir sicher!

PS: Auch was das profane Geld betrifft erschien mir der Wein ziemlich attraktiv!

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