Es ist immer noch heiß! Wenn es heiß ist läuft mein Hirn gerne
auf Sparflamme und ich fälle seltsame Entscheidungen. Daher hat es sich wohl ergeben, dass ich mich letztens in ein
Freibad verlaufen habe. Ein Freibad wie man es sich kaum besser vorstellen
kann! Ein Freibad inklusive Umkleidekabinen mit unbeabsichtigten
„Frischluftlöchern“, einer sozial generierter Engparzellisierung auf der
Liegewiese, Pommes-Sonnecreme-Melange-Düfte aus allen Richtungen und
Sardinenbüchsengefühle in den Nassbereichen. Da war ich nun, bewaffnet mit
Handtuch, Badehose, einem stilos stillosen Weinglas aus oberpfälzischen Produktion, dem Wine-Stained Notebook eines gewissen trinkfreudigen Schriftstellers - zur persönlichen Zerstreuung bezüglich der beengten Einengungsverhältnisse - und einer Flasche Greifvogel Wein aus einer der
wildesten, schroff-bergigsten und unterbevölkertsten Gegenden Italiens: Der
Basilicata am Knick von Ferse und Ballen. Hergestellt wurde der Grifalco 2007
aus 100% auf vulkanischen Böden der DOC Vulture (Monte Vulture) gewachsenen
Aglianico Trauben. Für mich ist Aglianico vielleicht die interessanteste
klassische Rebsorte Süditaliens. Aus ihr lassen sich nicht all zu selten Weine
mit Reichhaltigkeit, Schwere, Komplexität und einer gewissen kühlen Spannung
herstellen. Die berühmtesten Beispiele für soche Weine mögen wohl aus der kleinen Region
Taurasi in Campania stammen. Doch auch in der Basilicta zeigen einige Weinproduzenten was für
ein Potential in dieser Rebsorte steckt. Die Azienda Agricola Grifalco della
Lucania von Fabrizio Piccin und Ehefrau kultiviert erst seit wenigen Jahren Trauben in der
Basilicata (erster Jahrgang 2004). Ihre Weinberge liegen in Regionen zwischen 300 bis zu 800
Meter Höhe und sind größtenteils sehr dünn bestockt. Ausgebaut wurde der
Grifalco zu großen Teilen in Barriques verschiedenen Alters. Jetzt schauen wir mal ob der besagte Greifvogel einen Job gut erledigt hat …
