14.11.15

Alpha Estate Pinot Noir 2010, Amynteon



Vernünftige Menschen, zu denen ich leider nicht gehöre, dürften sich bei der folgenden Post fragen warum um Himmels Willen jemand aus einem so reichhaltigen und voll mit Überraschungspotential aufgeladenem Weinland wie Griechenland ausgerechnet einen Pinot Noir öffentlich trinken muss!? Tja, was soll ich sagen? Ich kann wohl nicht aus meiner explorationsgetriebenen Haut raus, nehme ich an!? Einer „muss“ es einfach wagen um die angestrebte nicht ansatzweise gesamtabdeckenden „Pinot weit weg“ Dokumentation zu erlangen. Wie dem auch sein ... Mein heutiger „Pinot weit weg“ stammt aus dem griechischen Teil Makedoniens im Norden des Landes. Um genauer zu sein im nordwestlichen Makedoniens in der Weinregion Amyntheon (Florina). Auf der Höhe zwischen 620 bis 710 m über dem Meeresspiegel hat das Weingut Alpha Estate vor einigen Jahren tatsächlich damit begonnen Pinot Noir Klone anzupflanzen. International bekannt wurde das 1997 von dem erfahrenen Winzer Makis Mavridis und dem Önologen Angelos Iatridis gegründete Weingut für seine modern anmutenden Weine aus der regionalen Rebsorte Xinomavro und ihrem je nach Jahrgang etwas anders zusammengesetzten Spitzencuvée Alpha One. Doch auch den Pinot Noir gibt es mittlerweile seit einigen Jahrgängen. Nach der Ernte wurden die Pinot Noir entrappt und ohne angequetscht zu werden einer Kaltmazeration unterzogen. Nach der Fermentation wurde der Wein für ca. 12 Monate in Allier Barrique Fässern ausgebaut um anschließend in gewaltig schweren Flaschen abgefüllt zu werden.



Die Farbe des Alpha Estate Pinot Noir 2010 zeigte immer noch sehr viel von jugendlich wirkendem purpurnem Rubinrot. In der Nase zeigt sich ein interessant aromatisches Parfüm von roten Johannisbeeren, getrockneten dunklen Kirschen, Würze die mich ein wenig an Thymian und Lakritze erinnert, karamelliges Mandelgebäck und mir etwas zu viel Rauch und Holz. Am Gaumen wirkte der hellenische Pinot Noir die ersten zwei Stunden überraschend kühl, zurückhaltend was seine Fruchtaromen betrifft (später, zeigten sich die Aromen von Johannisbeeren – zunächst heller, dann dunkler – wesentlich fülliger), recht rauchig, ziemlich vordergründig holzig und eine Spur zu sehr von der Säure geprägt. Ich würde fast meinen, dass die Säure ziemlich neben sich stand. Dies zeigte sich auch in den darauf folgenden Stunden und Tagen. Insbesondere am Folgetag wirkte die Säure leicht nervig. Auch das krude und zu voluminöse Gesamtbild des Weines entwickelte sich mit der Zeit nicht zu seinem Vorteil. Vorteilhaferweise kam der etwas hohe Alkohol (14,5%) über die ganze Verkostung hinweg nicht sonderlich zum tragen. Blind hätte ich kaum auf einen Pinot Noir getippt! Was seine Nase betraf, konnte er mich trotz nicht all zu eindeutigen Rebsortentypizität durchaus überzeugen. Mit einigen palatalen Attributen des Makedoniers tat ich mir leider etwas schwer. Solide so la-la *** Qualitäten zeigte er für mich trotz gewisser Schwächen auf der Zunge.

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